Interessante Ergebnisse zu sozialen online Netzwerken 1

In der aktuellen November Ausgabe des communications of the ACM Magazins findet sich ein interessanter Artikel über wissenschaftliche Analysen von sozialen Netzwerken. Ich möchte im Folgenden kurz die Kernpunkte diskutieren.

Die erste Definition von sozialen Netzwerken geht auf den Soziologen Georg Simmel (1890) zurück, der die Begrifflichkeit der sozialen Gruppe gegen die des sozialen Netzwerks abgrenzte.
Eine soziale Gruppe ist nach Simmel, “a group with a specific focus such as a family, neighborhood, or job”, und ein soziales Netzwerk, “a looser, larger collection of people and groups with connections among groups”.

Ein weiteres Modell zur Erklärung sozialer Netzwerke ist die Maslowsche Bedürfnispyramide (1943). Nach Maslow beschreibt sie den Vorgang einer sequenziellen Bedürfnisbefriedung von Menschen, in 5 Stufen. Das Modell besagt, dass ein Mensch erst die Bedürfnisse der untersten Stufe befriedigt und so bald diese erfüllt sind zur nächsten Stufe übergeht.
Das Bedürfnis zur Bildung von sozialen Beziehungen (Stufe 3) und soziale Anerkennung (Stufe 4) lässt somit auf eine hohe Priorität des Menschen zur Bildung sozialer Netzwerke schließen und spiegelt sich auch in heutigen online Netzwerken wieder. Dies bieten den Nutzern ausgeprägte Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Wie ehrlich und genau die Leute beim erstellen Ihrer Profile sind wird in 2 Teil diskutiert.

Milgrams Experiment aus dem Jahre 1967, brachte den Begriff des “Kleine-Welt-Phänomens” hervor, welcher innerhalb einer “sozialen Vernetzung in der modernen Gesellschaft den hohen Grad abkürzender Wege durch persönliche Beziehungen bezeichnet.” (Wikipedia) und besagt, dass jeder Knoten in einem sozialen Netzwerk mit einem beliebigen anderen Knoten über eine durchschnittliche Pfadlänge von 5,5 miteinander verbunden ist.
Diese Annahme basierte aber auf einem Modell welches auf der Ebene der, ich nenne es mal analogen , offline, Welt zutrifft, für heutige soziale online Netzwerke aber nicht mehr zutreffend ist. Heutige große soziale online Netzwerke haben eine durchschnittliche Pfadlänge, zwischen zwei beliebigen Knoten, von weniger als 3 Knoten!

Nach Barabasi-Albert, folgen Netzwerke im Idealfall dem Potenzgesetz und wachsen unbegrenzt. Barabasi wendete dieses Modell auch auf heutige soziale online Netzwerke an und fand ebenfalls Unterschiede.Knoten mit vielen Beziehungen werden in Zukunft schneller wachsen werden als weniger Populäre.
Dies könnte bedeuten, dass in Zukunft große soziale Netzwerke und “super Knoten Nutzer” klar im Vorteil sind und stärker wachsen werden als kleine soziale Netzwerke/Knoten. Ihre vielen Verbindungen lassen Sie attraktiver erscheinen.

Welche Muster gibt es beim Wachstum sozialer online Netzwerke?

Eine weitere Studie von Yahoo! Research (Kumar, Novak, Tomkins), untersuchte anhand den Daten von Flickr, Del.icio.us und 360 auffallende Muster im Wachstum der Struktur der sozialen Netzwerke. Dabei fanden Sie heraus, das die Dichte eines Netzwerks und die Verbindungen pro Person einem ähnlichen Muster folgen. Schnelles Wachstum durch early adaptors, Wachstums Abschwächung in Folge des Verhältnisses von neuen Freundschaften pro Knoten zu gesamt Knotengröße im Netzwerk und schließlich langsamen aber gleichmäßiges Wachstum.

Wie schnell wachsen heutige soziale Netzwerke?

Das Basari-Albert Modell der idealen Entwicklung von Netzwerken geht, wie oben erwähnt, von einem exponentiellen Wachstum aus. Die Studie nennt hier ein paar Zahlen zum Wachstum der oben genannten Portale. Flickr wächst exponential, LinkedIn quadratisch, Del.icio.us superlinear und Answers sublinear. Ein ebenfalls starkes Wachstum weißt auch Facebook auf, welches inzwischen mehr als 161 Millionen unique visitors, 13000 Server und 10 Millionen Anfragen pro Sekunde aufweist.

Wie lassen sich die Nutzer von soziale online Netzwerken klassifizieren?

Unterteilung sozialer Netzwerke in 3 Schichten:

  • passive Nutzer
  • große Anzahl aktiver Nutzer
  • Nutzer die sich in isolierten Gruppen organisieren

Passive Nutzer von sozialen Netzwerken, sogenannte Singeltons (wer Design Patterns kennt ist klar im Vorteil :-) ), haben nur wenige Verbindungen. Dies könnte eine die Folge einer nicht hochfrequenten Nutzung und sozialen Interaktion im Netzwerk sein oder auch damit zusammenhängen, das z.B. bei Flickr nur die Benutzung des Fotodienstes erwünscht ist oder Bilder nur rezipiert werden möchten.
Den Kern bildet die große Anzahl aktiver Nutzer, die eine hohe Interkonnektivität aufweisen und eine hochfrequente Nutzung aufweisen.
Dagegen organisiert sich die dritte Gruppe gerne in isolierten Gruppen, welche meist eine Stern Struktur innerhalb des sozialen Graphen aufweisen. Stern Strukturen weisen im inneren eine sehr starke Interkonnektivität, diese nimmt nach außen hin ab und führt an den Grenzen des Sterns zu einer Art Isolation vom Rest des sozialen Graphen.

Im zweiten Teil des Artikels wird es dann um eine Studie von der Cornwell/Michigan State Universität drehen, die untersucht hat wie ehrlich Nutzer von sozialen Netzwerken wirklich sind und wie man den Schummlern auf die Schliche kommt.

Wenn dir dieser Beitrag gefällt, lade den Autor doch mal zu einem Drink ein ;-)

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2 Responses

  1. danke für den interessanten Artikel. ich finde die Entwicklung dieser Netzwerke hochinteressant.

  2. Hätte nicht gedacht, dass sich die Entwicklung sozialer Netzwerke so beschreiben lässt. Ich glaube, ich muss mich zu den leider benachteiligten passiven Nutzern zählen, allein schon, weil ich lieber in der realen als in der virtuellen Welt Kontakte knüpfe.
    Das Knotenmodell habe ich allerdings noch nicht so ganz verstanden. Vielleicht kommt dazu ja mehr im Folgeartikel ;-)

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