Ein Leben ohne Internet…

Rückblick:

Wir haben das Wochenende der KW 28 im Jahr 2007. Und ich hätte mir nie erträumt welche Probleme dieses Wochenende aufwerfen würde.

Wer wie ich ein technikorientierter Mensch mit permanentem Wissensdrang ist, der immer auf dem aktuellen Stand und zeitnah informiert leben will, kann diesen Beitrag vielleicht verstehen.

Es war so um das Jahr 1995 und mein damaliger Computer kommunizierte erstmals mit der Außenwelt. Über Modem und Compuserve machte ich meine ersten Erfahrungen mit dem World Wide Web. Was sich damals auf geringe Informationsbeschaffung sowie etwas chatten mit Mädels zur Unterstützung meiner pubertären Phase beschränkte, hat sich mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Lebens herausgebildet. Sei es im privaten Bereich zur Wissensbereicherung oder Unterhaltung, zur zwischenmenschlichen Kommunikation, im universitären Bereich oder im geschäftlichen Bereich zur Unterstützung der Erhaltung und Verbesserung meiner Finanzen – mein PC läuft generell von morgens um 8 Uhr bis nachts um 24 Uhr, immer unter Berücksichtigung einer intakten Internetverbindung.

Letzteres ist nun das Problem. Seit Freitagabend habe ich kein Internet! Durch ein technisches Problem seitens meines Providers kann ich keine Verbindung mehr aufbauen. Im Gespräch mit dem gleichen wird auch deutlich, dass es vor Montag wahrscheinlich nichts mehr wird. Anfangs denke ich mir, wird schon passen, morgen bin ich sowieso viel unterwegs und Sonntag werden halt mal die Füße hochgelegt. Dann ist es Samstag 8:30 Uhr.

Kaffee ist fertig, Frau aus dem Haus. Eigentlich Zeit für mein morgendliches Ritual: PC an, Emails abrufen, Nachrichten checken. Denkste… Wat nu? Okay, dann halt vor den Fernseher, auf die Emails muss nun wohl oder übel erstmals verzichtet werden. Nach ca. 5 Minuten und regem Interesse meinerseits an Neuigkeiten aus dem Boulevardbereich oder diversen Soaps beende ich mein leicht abgeändertes Ritual mit dem Ausschalten des TVs vorzeitig und verlasse mit schlechter Laune die Wohnung. Unmittelbar danach fange ich mir im Auto schon an zu überlegen, wann ich wo in ein Internet-Café gehen könnte.

Spät-Nachmittags wieder zu hause – und aus zeitlichen Gründen immer noch ohne Internetbesuch – ereilen mich wieder die Gedanken ans Netz. Termin zum Essen bei Verwandten in einer Stunde, eigentlich wäre da noch kurz Zeit, eine wichtige Rechnung zu überweisen und mal zu schauen, was so passiert in der Welt. Aber geht ja nicht… Die Abend-Planung via Skype-Konferenz mit meinen Freunden muss auch ausfallen… Naja, zum Glück tut mein Telefon noch! Anrufe von Kollegen à la „Hey, hab Dir nen coolen Link geschickt, zieh dir den mal rein!“ nehme ich natürlich freundlich, aber innerlich verärgert zur Kenntnis. Bei meinen Verwandten am Tisch erfreue ich mich diesmal überraschenderweise an den langsamen Entwicklungen unserer Regierungsvertreter – bei den Politikthemen kann ich nämlich noch mitreden, trotz meines geglaubten Informationsrückstandes.

Ein letzter Gedanke ans Inet kommt mir in der Bar, die als erste Anlaufstelle unseres Abendprogramms dient. Nach einer Verneinung meiner Frage danach in der selbigen verliert sich dieser so nach und nach mit zunehmender Zahl an Cocktails. Ein letztes Mal daran erinnert, als der Kollege mit dem „coolen Link“ anfängt, darüber zu reden, wird der Abend doch noch ziemlich lustig.

Sonntag morgen, 10:30 Uhr. Tja, da ist er nun, der Tag ohne Pläne und vor allem – ohne Internet. Auf das Thema Ritual bin ich nun ja schon vorbereitet, allerdings kommt jetzt Comedy im TV, das geht noch gerade so zum Kaffee. Meine Überlegungen zu meiner Tagesplanung beziehen eigentlich nur eine Komponente mit ein: Ein Ort mit Internet muss her, beziehungsweise ich dort hin! Zwischendurch ereilt mich eine Erinnerung meines Handys – zum Glück habe ich die Umsatzsteuer-Voranmeldung schon am Donnerstag online gemacht. Nach ein paar Telefonaten mit meinen Leuten trafen wir uns zum Kicken. Ich mache ich mich auf den Weg zu einem Freund mit PC und World Wide Web, den ich versprach, abzuholen – natürlich erstens freundschaftshalber (er hat im Moment kein Auto) und zweitens mit einem Hintergedanken. Nach einer halben Stunde vor dem PC meines Kollegen und dessen ständigem Fragen danach, wann ich denn endlich fertig wäre, gehen wir los.

So wurde es doch noch ein ziemlich schöner Sonntag. Ich verausgabte mich beim Kicken absichtlich mehr als sonst, da ich ja zu hause eh nichts mehr machen konnte, „durfte“ nach dem Kicken nochmal kurz an den PC meines Kollegen, und war somit innerlich größtenteils befriedigt – zumindest was das WWW anging (Frau kommt ja erst morgen wieder ). Außerdem ist ja morgen der große Tag, an dem ich wieder online sein werde.

Natürlich ist dieser Artikel etwas übertrieben geschrieben. Ich habe an diesem Wochenende kein einziges Mal zittern müssen und der Montag war letztendlich auch nicht mein zweiter Geburtstag. Allerdings habe ich in diesen Tagen gemerkt, wie abhängig man doch von diesem Medium geworden ist. Neben meinen privaten Aktivitäten im Internet, auf die schmerzlich verzichtet werden könnte, funktioniert heute ein Großteil der beruflichen Aktivitäten über das Internet. Informationseinholung, Auftragseingang, Buchhaltung, Kontoverwaltung und vieles mehr, das erhebliche Umstellungskosten und enormen Zuwachs an Zeit benötigen würde, wollte man dies wieder auf konventionelle Art und Wiese machen. Die Frage ist ob das überhaupt noch geht.

Wenn dir dieser Beitrag gefällt, lade den Autor doch mal zu einem Drink ein ;-)

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3 Responses

  1. Sei froh, dass es nur 3 Tage waren. Ich musste in den letzten zwei Monaten insgesamt 4 Wochen auf meinen DSL Zugang verzichten, weil mein Provider Mist gebaut hatte.

  2. wirklich eine geschichte, wie sie auch in meinem leben stattgefunden haben könnte :) es ist schon krass, wenn man sich mal überlegt, wie abhängig man doch vom www ist. mich würde mal interessieren, wie sich die welt entwickelt hätte, wenn tim berners lee damals nicht das web erfunden hätte… wo und vor allem was wären wir heute ohne google und konsorten? sicherlich um einiges “dümmer” und in manchen situationen hilfloser und wir müssten noch in “büchern” unsere informationen suchen ;) – aber vielleicht auch ein stückweit freier, verschont von irgendwelchem datenmüll und um einiges glücklicher? naja – wir werden es wohl nie erfahren :D man muss einfach ab und zu einfach mal raus und die kiste einfach aus lassen – auch wenn das schwer fällt…

  3. (Ex-??)Inet-Junkie

    Ich habe schon oft freiwillig das Internet abgemeldet und es dann doch immer wieder angemeldet nach einiger Zeit. Bei Alice-DSL gibt es zum Glück nur eine kurze Kündigungsfrist. Ende des Monats habe ich wieder kein Internet. Warum? Weil ich einfach zu viel vor diesem Kasten (Computer) sitze. Ich bin wohl auf die eine oder andere Weise süchtig nach Internet und Computern. Doch jedes mal, wenn der Computer weg ist oder besser gesagt das Internet abgemeldet ist, dann vermisse ich es auch nicht. Es ist so eine Art Langeweile surfen. Doch was macht man eigentlich wirklich wichtiges im Internet? Eigentlich doch gar nichts, oder? Es gibt eine bestimmte Anzahl von Seiten, die man regelmäßig ansurft. Meistens irgendwelche Foren oder News-Seiten. Diese grasst man dann nach neuen Beiträgen ab und wirklich wichtiges gibt es da aber auch nicht. Man kann auch Zeitung lesen oder Nachrichten im Fernsehen schauen. Foren sind auch überflüssig, man kann auch telefonieren oder sich mit anderen Mensche im Reallive unterhalten, auch wenn das manchmal schwer fällt.

    Ich bin froh, wenn dieser Kasten namens Internet bald endlich wieder weg ist. Ich habe es einfach nicht unter Kontrolle. Internet ist zwar nützlich, wenn man etwas recherieren muss, aber ich bleibe dann einfach vor dem Kasten kleben und verschwende sehr viel Zeit. Und dann sind da auch noch diese Schweinchen-Seiten, die ich oft besuche … zu oft !!!! Wie Fettes Brot in dem Song “Betina” schon singt, ist es nicht einfach damit aufzuhören … Für mich ist alles wesentlich einfacher “ohne” Internet zu Hause. Ich gehe dann immer zu Bekannten oder in die Bücherei. Dort laufe ich wenigstens nicht Gefahr, bestimmte Seiten anzusehen oder allzulange vor dem Rechner zu sitzen.

    Meine Empfehlung: Rechner abschalten, Internet abmelden und dann bei Freunden surfen.

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