Mögliche Barrieren einer Homepage

Hier möchte ich mögliche Barrieren einer Homepage aufzählen und so deutlich machen, wem denn nun barrierefreies Webdesign weiterhilft oder weiterhelfen kann. Denn immer wieder höre ich die Frage: Barrierefreies Webdesign, wem bringt das denn was und was bringt mir persönlich eine barrierefreie Homepage?
Da sind nämlich nicht “nur” blinde oder sehbehinderte Menschen oder Suchmaschinen aufzuzählen, sondern nahezu jedem Besucher der Homepage ist geholfen, wenn die Informationen barrierefrei präsentiert werden. Sogar dem Programmierer oder Verwalter der Seite, kann durch barrierefreies Webdesign die Arbeit erleichtert werden. So weit, so gut. Was sind denn nun solche Barrieren? Hier folgt eine Aufzählung an Barrieren, welche eine Homepage so aufstellen kann:

  • Visuelle Barrieren blinder oder sehbehinderter Menschen
    • zu kleine Schrift, keine Möglichkeit den Schriftgrad zu erhöhen oder die Seite skaliert nicht so, dass sie noch lesbar ist.
    • zu wenig Kontrast, zu viel Farben keine Möglichkeit das Design anzupassen behindern sehschwache Surfer (Generation 50+) sowie farbenblinde Besucher der Homepage
    • (zu viele) Animationen lenken vom Text ab. Wenn man Informationen sucht, ist es sehr lästig, wenn Animationen (gif, flash) die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und einfach nur ablenken. (und wenn es nur ein animiertes Favicon ist)
    • die Homepage wird von einem Vorlesebrowser (siehe Liste von Vorlesebrowsern) nicht korrekt wiedergegeben. Blinde haben dann keine Chance die Homepage zu benutzen.
  • Technische Barrieren des Systems oder Browsers
    • Die Homepage kann nur in einem bestimmten Browser oder nur in bestimmten Versionen angezeigt werden. Schlecht für Besucher, welche den benötigten Browser nicht haben, nicht installieren können oder einfach nicht wollen.
    • Die Homepage ist so groß, dass sie einen schnellen Breitband Internetanschluss (DSL) braucht. Es gibt immer noch viele ISDN und Modem Surfer.
    • Ohne JavaScript funktioniert die Homepage nicht, aber nicht jeder hat JavaScript. JavaScript, vor allem in Kombination mit AJAX, kann ein absoluter barrierefrei Killer sein. Eine barrierefreie Homepage sollte auf jeden Fall ohne JavaScript funktionieren!
    • Informationen werden in Flash Filme verpackt, Flash hat nicht jeder. Flash ist schön für Werbung und eben Animation/Filmmaterial, aber nicht geeignet zur barrierefreien Präsentation von Informationen
    • Pop-Up Fenster werden oft durch Pop-Up-Blocker unterdrückt und sind somit einfach nicht sichtbar.
    • Die Homepage ist nicht XHTML konform (W3C valid) was zu unerwarteten Anzeigefehlern führen kann.
  • Verständnis Barrieren kognitiv eingeschränkter Menschen
    • zu komplizierte Sprache
    • zu viel oder aber auch zu wenig Fachsprache, je nach Zielpublikum
    • extrem verzweigte Navigation (Alternative wären zum Beispiel Tagclouds)
    • Fehlende Suchmöglichkeiten auf Homepages mit viel Inhalt
    • Anmelde/Bestell Formulare mit zu vielen Optionen oder ohne Gliederung
    • Schwer identifizierbare bzw. schwer erkennbare Graphiken oder Piktogramme
    • Überladene Homepage mit vielen Bereichen ohne klare Trennung
    • Die Homepage ändert je nach Seite das Aussehen oder die Struktur
    • Frames sind teilweise schwer zu bedienen und zu begreiffen, sie scrollen jeder für sich und manche Browser kennen gar keine Frames
  • Körperliche Barrieren motorisch eingeschränkter Menschen
    • Hörgeschädigte brauchen statt Audio Kommentaren Text
    • Menschen, welche keine Maus benutzen können, müssen die Homepage mit der Tastatur steuern. Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt und bietet auch erfahrenen Internetnutzern eine Möglichkeit schnell und einfach auf der Homepage zu navigieren.
  • Subjektive Barrieren
    • schlechtes, nicht ansprechendes Design
    • zu viel Werbung schreckt ab
    • Informationen sind zu tief in der Homepage und erst nach mehreren Klicks erreichbar
    • Der gesamt Eindruck der Homepage vermittelt ein ungutes Gefühl (unseriös, spießig, überheblich etc.)
    • Der Zurück Button des Browsers ist nicht einsetzbar wegen AJAX oder Flash
    • Menschen, welche die Homepage nicht kennen und nach ihren erste 5 Minuten auf der Seite immer noch nicht sagen können worum es da geht verdeutlichen im Zweifelsfall ob man sein Ziel erreicht, hat oder eben nicht.

Man sieht, es gibt für fast jeden Menschen eine, wenn nicht mehrere, Barrieren eine Homepage zu besuchen, sie zu bedienen oder nur auf ihr zu navigieren etc.

Mögliche Szenarios wo Barrieren auftreten:
Ist die Homepage gut strukturiert (XHTML strict, Tabellenlos, CSS), die Navigation übersichtlich, auf Bilder verzichtet worden, große Schrift und hoher Kontrast eingesetzt ist diese Seite mit Sicherheit für sehbehinderte Menschen barrierefrei. Fehlt es ihr aber an optischen Effekten, ist sie für viele, vor allem jüngere Surfer eher uninteressant und nicht ansprechend genug. Dann stellt hier die Optik eine Barriere dar und man kann durchaus sagen, hier liegt ein “Verstoß” gegen die Grundregel barrierefreien Webdesigns vor.
Hat man dagegen eine schöne Homepage mit vielen Bildern, Farben, verzichtet aber darauf wenigstens durch hidden-Tags Strukturierungen einzubauen kann man wieder nicht von barrierefreiem Webdesign sprechen.
Sitzt man in der (Uni) Bibliothek kann man schlecht Videokommentare, oder Intervies anhören, da wäre eine Abschrift enorm hilfreich.

Barrierefreies Webdesign verlangt die Einhaltung aller Regeln, das Beachten aller Barrieren, egal ob es Barrieren für behinderte Menschen oder für nicht behinderte sind. Barrierefreies Webdesign bedeutet also nicht eine Homepage auch für blinde Menschen nutzbar zu machen, sondern allen Surfern zu möglichst gleichen Teilen.

Das klingt nach einem riesen Haufen Arbeit. Es ist jedoch gar nicht so schlimm. Barrierefreies Webdesign wäre nicht barrierefreies Webdesign, würde es dem Designer oder Programmierer einen Berg von Barrieren aufstellen. Und es sei hier noch mal angemerkt, wer sein Handwerk nicht beherrscht, oder zu Faul ist sich (weiter) zu bilden und dann Regeln sowie Techniken einzuhalten, der kann sich auch nicht professioneller Webdesigner nennen.
Durch Einhalten von XHTML Regeln, und Formatieren des Designs durch CSS erleichtert barrierefreies Webdesign das Erneuern oder Abändern des Designs enorm, da hier nur eine einzige Datei geändert werden muss. Dazu kommt, dass die Dateigrößen enorm zurückgehen. Gut besuchte Homepages haben einen monatlichen Traffic von mehreren Gigabyte. Wenn hier nur durch die
Änderung des XHTML Markups vielleicht nur noch die Hälfte an Traffic entsteht, liegt hier sogar ein enorme Kostenvorteil auf der Hand.

Letztendlich ist es ja auch ein beruhigendes Gefühl eine Homepage zu betreiben, die wirklich jeder beliebige Mensch in jeder Situation besuchen, lesen und verstehen kann.

Weiterführende Links über barrierefreies Webdesign:
Web Accessibility Initiative des W3C
Bachelor-Thesis “Barrierefreie Gestaltung von Internetseiten”
Liste von Vorlesebrowsern
Webportal mit Schwerpunkt barrierefreies Webdesign
Brandneu: Lesezeichen der ilimitado OHG bei Mr Wong zum Tag barrierefreies

Weiterführende Literatur über barrierefreies Webdesign:

Wenn dir dieser Beitrag gefällt, lade den Autor doch mal zu einem Drink ein ;-)

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2 Responses

  1. [...] Webdesign (WCAG 2) oder diverse Artikel über barrierefreies Webdesign, liest man stets, welche Barrieren eine Homepage haben kann und welche Zielgruppe diese betreffen und was man alles einhalten soll, damit eine Homepage als [...]

  2. interessanter Beitrag.
    Manchmal denke ich, dass man es auch übertreiben kann…
    z.B. sollte doch jemand, der mit der Tastatur navigieren kann, auch in der Lage sein, halt mal die Maus zu nehmen.

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